plietsch unverpackt einkaufen – Das Interview

Seit dem 30. September gibt es in Lüneburg die erste Gelegenheit, unverpackt einzukaufen. Mit plietsch. natürlich unverpackt haben zwei Studenten der Hansestadt ein Konzept umgesetzt, mit dem sie nachhaltiges Einkaufen alltagstauglich machen wollen – durch Produkte aus biologischem, möglichst regionalem Anbau und die Integration in den EDEKA Bergmann’s Hinter der Saline. Diese Kooperation zwischen Start-Up und Vollsortimenter ist bisher bundesweit einzigartig. Wir haben uns mit den zwei Gründern Lisa und Henrik getroffen und einmal genauer nachgefragt, wie ihr Konzept aussieht, wie sie zu der Idee kamen und was sie im Alltag tun, um nachhaltig zu leben.

 

Wie sieht das Konzept „plietsch. natürlich unverpackt“ aus?

Lisa: Wir sind damals mit der Idee gestartet, einen unverpackt-Laden zu gründen. Wir haben dann relativ schnell festgestellt, dass dieser unverpackt-Aspekt zwar wichtig ist, aber nicht der einzige Baustein sein kann. Wir kennen es selbst: Man steht z.B. vor dem Tomaten-Regal und dann gibt es die unverpackten Tomaten, die aus konventionellem Anbau sind, aber vielleicht aus der Region. Und dann gibt es die Bio-Tomaten daneben, die aus Spanien kommen und in Plastik verpackt sind. Also haben wir festgestellt: Plastikvermeidung ist zwar wichtig, aber das alleine ist unterm Strich nicht unbedingt sinnvoller. Wenn Kunden nachhaltig einkaufen wollen, stehen sie oft vor einer Wissenshürde und müssen zusätzliche Belastungen und Aufwand auf sich nehmen, um die „richtige“ Produktentscheidung zu treffen. Deswegen ist der Kern unseres Konzeptes, nachhaltiges Einkaufen alltagstauglich zu machen. Durch zum einen diesen unverpackt-Aspekt, aber zum anderen auch die biologische Herkunft der Produkte und den regionalen/saisonalen Aspekt.

Henrik: Die Idee dahinter ist, dass wir Nachhaltigkeit schon so vordenken, dass man als Kunde nicht mehr viel machen muss. Und gerade, wenn man unverpackte Produkte anbietet, macht es auch Sinn, sie aus der Region zu beziehen. Und dann macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen: „Wie sind die Produkte überhaupt angebaut?“ Wir bieten jetzt Produkte an, bei denen wir uns sicher sein können, die plietscheste, nachhaltigste Wahl getroffen zu haben.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?

Henrik: Vor zweieinhalb Jahren sind wir auf den Aufruf eines Kommilitonen aufmerksam geworden, der Gründungsgleichgesinnte für einen unverpackt-Laden in Lüneburg gesucht hat. Von den 100 Gründungsinteressierten sind letztendlich neun Leute übrig geblieben, die wirklich bereit waren, einen erheblichen Teil ihrer Freizeit zu investieren und mit denen wir dann das Konzept für diesen Laden ausgearbeitet haben.

Lisa: Im Herbst letzten Jahres standen wir dann vor der Frage: Wenn wir diesen Laden gründen, wer führt ihn denn dann eigentlich? Weder hatte jemand aus dem Team die entsprechende kaufmännische Ausbildung oder Erfahrung, noch hatte jemand vor, für die nächsten zehn Jahre im Alltag aktiv einen Laden zu führen. Henrik und ich z.B. haben hier in Lüneburg Umweltwissenschaften studiert und haben die Expertise viel mehr in dem Bereich, was Nachhaltigkeit ausmacht und was man machen muss, damit es ganzheitlich sinnvoll ist und weniger darin, wie der Einkauf von Waren und die Buchhaltung läuft. Gleichzeitig wäre der Aspekt, es dem Kunden einfach zu machen, auch schwierig mit einem alleinstehenden Laden.

Die Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ hat das Projekt nach vorne gebracht.

Henrik: Es hat sich dann im letzten Jahr eine kleine Krise entwickelt, nachdem neun Leute für eineinhalb Jahre Arbeit in dieses Projekt gesteckt haben. Wir wollten keinen alleinstehenden Laden gründen, gleichzeitig war für uns aber auch klar, dass die Idee umgesetzt werden muss. In dieser Zeit hat sich unser Team dann auch verkleinert, sodass im Kern Lisa und ich die Hauptverantwortung übernommen haben, während drei aus dem Team uns punktuell in einzelnen Bereichen unterstützt haben. Dann hat uns der Zufall mehr oder weniger in die Hände gespielt, als wir zu einem runden Tisch mit dem Thema “Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ in der Leuphana eingeladen wurden. Dort sind wir auch mit Meike Bergmann ins Gespräch gekommen.

Lisa: Sie hatte selber auch schon über diesen unverpackt-Aspekt nachgedacht, aber ihr fehlten noch die Kapazitäten und das Fachwissen, um ihn umzusetzen.

Henrik: Wir hatten im Gegenzug das ganze Konzept ohne Umsetzung, sodass wir eine gute Ausgangsposition für eine Kooperation hatten. Also haben wir uns zusammengesetzt und ziemlich schnell festgestellt, dass es genau das ist, was beide Seiten brauchen.

Lisa: So wird unverpacktes Einkaufen auch für die Kunden noch einfacher und zugänglicher: Man muss erst einmal keinen extra Laden aufsuchen und plietsch einfach ausprobieren. Wir wissen ja selbst, dass man seine Gewohnheiten nicht einfach von heute auf morgen ändert und versuchen daher, die Umstellung möglichst gut zu unterstützen.

Wie muss ich mir dieses unverpackte Einkaufen bei euch denn jetzt genau vorstellen?

Henrik: Unser Startsortiment umfasst ungefähr 50 Produkte, die erst einmal im Trockenbereich liegen. Nudeln, Mehl, Körner, Flocken – eben das, was ich unkompliziert aus einem Spender abfüllen kann. Alles Grundnahrungsmittel aus ökologischem Anbau, so regional wie möglich und mit einem so hohen Bio-Standard wie möglich. Im Idealfall bringe ich mir mein eigenes Behältnis von Zuhause mit und fülle dann einfach die gewünschte Produktmenge ab. Ich kann aber auch vor Ort einen plietsch-Beutel aus Baumwolle erwerben, zum Beispiel für den spontanen Einkauf.

Lisa: Wir haben zudem auch das bestehende Produktsortiment einmal durchgeschaut und plietsche-Produkte gekennzeichnet, sodass wir inzwischen auf ca. 80 Produkte kommen, die auch an der Käse- und Fleischtheke, bei Milch und Joghurt sowie im Gemüsebereich zu finden sind.

 

So funktioniert der unverpackt-Einkauf bei plietsch!

 

Das ist ja jetzt die erste Gelegenheit für Lüneburger, unverpackt einzukaufen. Wie reagieren die Leute darauf?

Henrik: Die Reaktionen waren von Anfang an sehr positiv und wir haben viel Feedback und Anregungen von den Leuten bekommen. Mittlerweile haben wir einen Grundstamm an Kunden, wobei es natürlich immer schwierig zu sagen ist, weil wir Grundnahrungsmittel anbieten. Es kommt ja selten vor, dass man spontan drei Kilogramm Mehl braucht. Womit wir im Moment noch nicht ganz zufrieden sind, ist der Obst- und Gemüsebereich. Es scheint bei den Leuten noch nicht so präsent zu sein, dass sie das auch bei uns bekommen können. Das darf gerne noch mehr werden, wobei wir natürlich jetzt im Winter saisonal bedingt weniger Gemüse anbieten können.

Lisa: Wir haben auch eine Box für Anregungen aufgestellt, die wir regelmäßig auswerten. Wir arbeiten gerade daran, diese Anregungen in unseren Newsletter mit einzubinden. Es soll ja keine einseitige Kommunikation sein!

Nachhaltigkeit beginnt im Kopf.

Inwiefern achtet ihr im Privatleben auf das Thema Nachhaltigkeit?

Henrik: Das Thema ist natürlich von A-Z in unserem Alltag vertreten. Es ist nicht so, dass ich gar nichts mehr mache und sage: ich höre auf zu atmen. Das ist auch die falsche Herangehensweise. Aber wir beziehen Ökostrom, wir versuchen Müll zu vermeiden und diesen vernünftig zu entsorgen und vor allem wollen wir auch anderen Leuten dieses Thema nahebringen. Beispielsweise an der Uni haben wir diverse Projekte zum Thema Abfallvermeidung und -Verwertung angestoßen. Die Frage ist für uns: Wie können wir nachhaltiges Verhalten so einfach machen, dass es mehr Leute machen? Ohne Nachhaltigkeit geht es nicht und das kann man auch umsetzen ohne denken zu müssen: “Oh Gott, alles muss sich sofort dramatisch verändern“. Deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten aufzuzeigen und gleichzeitig die Angst vor dem Thema zu nehmen.

Lisa: Das Wichtige ist, sich zu fragen, was für eine Wirkung das eigene Handeln hat. Was sind die Hebel, über die ich mit wenig Aufwand viel erreichen kann. Zum Beispiel beim Thema Ökostrom. Den Anbieter zu wechseln ist super leicht. Und trotzdem kann es einen großen Effekt haben.

Was sind eure Ziele für 2018?

Henrik: Unser Ziel ist es zu zeigen, dass Nachhaltigkeit auch alltagstauglich und einfach geht. Wir wollen mit plietsch etwas anstoßen. Und das hört nicht in Lüneburg auf. Je mehr Leute nachhaltig und unverpackt einkaufen, desto besser. Also ist es für uns wünschenswert und auch realistisch, dass wir das Konzept noch einmal an einem anderen Standort umsetzen. Beispielsweise in Hamburg oder einer anderen Stadt. Aber zunächst konzentrieren wir uns darauf, plietsch hier bei EDEKA Bergmann’s in Lüneburg zu etablieren und herauszufinden, was bereits funktioniert und wo noch Verbesserungspotential besteht. Wenn hier dann alles klappt, wollen wir das Konzept auch weitertragen.

 

Wir sind begeistert von dem Konzept und wünschen plietsch alles Gute. Wenn ihr noch mehr erfahren und auf dem Laufenden bleiben wollt, könnt ihr den Newsletter auf http://www.plietsch-unverpackt.de/ abonnieren oder plietsch auf Facebook verfolgen.

unverpackt : Lisa und Henrik vom plietsch-Team
Lisa und Henrik im plietsch-Bereich bei EDEKA Bergmann

 

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