Klimaschutzplan

Politische Turnübungen und andere Verrenkungen

von Ger­win Klin­ger, ener|gate, Ber­lin

Die Poli­tik bedeu­tet ein star­kes lang­sa­mes Boh­ren von har­ten Bret­tern mit Lei­den­schaft und Augen­maß zugleich.” So besagt es ein Dik­tum des Sozio­lo­gie-Über­va­ters Max Weber. Manch­mal jedoch scheint es, Poli­ti­ker beherr­schen vor allem die Kunst, sich mit Ver­ren­kun­gen den Kräf­te­ver­hält­nis­sen anzu­pas­sen. Im Fall des bel­gi­schen Atom­mei­lers Tihan­ge und Doel ver­such­te sich jetzt Umwelt­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) als Meis­te­rin des poli­ti­schen Spa­gats. Der Druck­be­häl­ter des Alt­mei­lers Tihan­ge, der sich in der Grenz­re­gi­on zu Aachen befin­det, weist Ris­se auf, erhielt von den bel­gi­schen Atom­be­hör­den aber den­noch eine Betriebs­ge­neh­mi­gung.

Im April 2016 ersucht Hend­ricks die bel­gi­sche Regie­rung, Tihan­ge abzu­schal­ten. Die­se Inter­ven­ti­on gegen die bel­gi­sche Betriebs­ge­neh­mi­gung erfolg­te nicht aus einer Lau­ne her­aus. Hend­ricks stütz­te sich auf eine Exper­ti­se der Reak­tor­si­cher­heits­kom­mis­si­on (RSK). “Die unab­hän­gi­gen Exper­ten der RSK kön­nen mir nicht bestä­ti­gen, dass die Sicher­heits­re­ser­ven von Tihan­ge 2 und Doel 3 ein­ge­hal­ten wer­den”, so Hend­ricks.

Neue Erkenntnisse

Jetzt wur­de bekannt, dass das Bun­des­amt für kern­tech­ni­sche Ent­sor­gungs­si­cher­heit, das zum Geschäfts­be­reich des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums gehört, seit Juni 2016 die Lie­fe­rung von 68 Brenn­ele­men­ten für Tihan­ge geneh­migt hat. Das Minis­te­ri­um argu­men­tier­te, Deutsch­land kön­ne nach gel­ten­dem Recht den Export von Brenn­ele­men­ten nicht unter­sa­gen, wenn die­se für Kraft­wer­ke mit gül­ti­ger Betriebs­ge­neh­mi­gung im Aus­land bestimmt sind. “Es kommt vor, dass die Rechts­la­ge nicht alles zulässt, was man poli­tisch für wün­schens­wert und rich­tig hält”, recht­fer­tig­te eine Spre­che­rin von Hend­ricks den Spa­gat.

Das Gutachten des IPPNW

Die Rechts­po­si­ti­on ist aller­dings längst nicht so ein­deu­tig, wie behaup­tet. Gegen die Betriebs­er­laub­nis für Tihan­ge lau­fen meh­re­re Kla­gen, unter ande­rem des Lan­des NRW. Auch an den deut­schen Brenn­stoff-Lie­fe­run­gen gibt es Rechts­zwei­fel. Ein juris­ti­sches Gut­ach­ten der Orga­ni­sa­ti­on Inter­na­tio­na­le Ärz­te für die Ver­hü­tung des Atom­kriegs (IPPNW) hält die Belie­fe­rung des bel­gi­schen Kern­kraft­werk Doel und die fran­zö­si­schen Atom­mei­ler Fes­sen­heim und Cat­te­nom für rechts­wid­rig. Die Exper­ti­se argu­men­tiert mit dem Para­graf 3 des Atom­ge­set­zes. Danach ist zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für Export­ge­neh­mi­gun­gen, dass weder die mili­tä­ri­sche noch die zivi­le Ver­wen­dung der Kern­brenn­stof­fe die “inne­re oder äuße­re Sicher­heit der Bun­des­re­pu­blik gefähr­det”. Das IPPNW-Gut­ach­ten sieht “objek­ti­ve Anhalts­punk­te” dafür, dass die Mei­ler nach dem Atom­ge­setz nicht mehr betrie­ben wer­den dürf­ten. Zum Beleg dafür könn­te man Hend­ricks zitie­ren. Man­cher Spa­gat endet in einer üblen Ver­ren­kung.

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(Foto: koseb / Pixabay)